6000 Euro für engagierte Schulen

Bericht der Elmshorner Nachrichten vom 27.11.2015

Wettbewerb unter dem Motto „Mitmachen - Mitqestalten - Mitverantworten“ / Preisverleihunq mit zwei ersten und drei zweiten Siegern

shz 271115


KREIS PINNEBERG Die Quickbomer Firma Metaplan hat gestern Nachmittag zum sechsten Mal Schulen aus dem Kreis Pinneberg mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Das Motto des Wettbewerbs in diesem Jahr lautete „Mitmachen - Mitgestalten - Mitverantworten“. Die ersten Plätze gingen in diesem Jahr an die Grundschule Heidgraben sowie die Anne-F rank-Gemeinschafts-schule aus Elmshorn. Beide erhalten jeweils 1500 Euro. Die Gemeinschaftsschule Rugenbergen aus Bönningstedt, die Grundschule Klein Nordende-Lieth aus Klein Nordende sowie die Grund-und Gemeinschaftsschule im Quellental aus Pinneberg wurden Zweitplatzierte und bekamen jeweils 1000 Euro Preisgeld.

Jurymitglied Professor Manfred Bönsch, emeritierter Schulpädagoge aus Hannover, begründete das Motto des Wettbewerbs. Schule müsse mehr sein als eine Lehranstalt, sagte er. Und dazu gehöre auch, dass sie gemeinsam mit den Schülern gestaltet werde. „Man kann sein Ich nicht beim Hausmeister abgeben, für einige Stunden nur Schüler sein. Man ist immer eine ganze Person und diese muss sich in der Schule wohlfühlen, denn sie verbringt an diesem Ort viel Zeit“, sagte er.

Dass sich das Unternehmen Metaplan für die Schulen im Kreis Pinneberg engagiere, gehe auf den Wunsch der Mitarbeiter zurück, erläuterte Geschäftsführer Thomas Schnelle, der ebenfalls der Jury angehört. „Viele von uns waren Eltern und wollten gern die Schulen fördern, damit sie gute Arbeit leisten“, sagte er. Daraus habe sich der Innovationspreis entwickelt.

Schulrat Michale Doppke, der heute seinen Eintritt in den Ruhestand feiert, bedankte sich bei den Lehrern und Schülern für ihre Gestaltung der Schulen. „Ich freue mich, dass an den Schulen im Kreis Pinneberg so gut gearbeitet wird“, sagte Döppke. Als Schulrat kenne er auch die schwierigen Bedingun-
gen, unter denen diese Engagement stattfinde. Umso wichtiger sei es, der Öffentlichkeit bewusst zu machen, wieviel Schulen leisten, sagte Doppke. In der Öffentlichkeit werde oft nur das gezeigt, was nicht funktioniere. Die Projekte, die wunderbar liefen, seien im außerschulischen Rahmen jedoch häufig unbekannt. Deshalb ist dieser Wettbewerb Doppkes Meinung nach so wichtig.

„Mir gefallt an diesem Wettbewerb besonders gut, dass sich die teilnehmenden Schulen gegenseitig inspirieren“, sagte Georg Hölk, ehemaliger Schulrat des Kreises Pinneberg und Jurymitglied. „Vieles wird zwar von allen Schulen gemacht, aber in den Details liegt das Besondere“, sagte er. Aus diesem Grund seien die Bewerbungen beim Schulamt auch für alle Schulen einsehbar. Karina Voigt

 

Die Preisträger und ihre Projekte

Ideen einbringen und Aufgaben übernehmen

HEIDGRABEN Die Grundschule Heidgraben hat den ersten Preis unter den Grundschulen gewonnen. Sie bietet ihren Schülern in Klassenratsstunden und Schülervertretungstreffen die Möglichkeit, ihr Schulleben mitzugestalten. Dazu zählt, dass die Kinder ihre eigenen Ideen einbringen können, aber auch ihre Sorgen und Probleme dabei loswerden. Alle zwei Jahre entwickelt die Schülervertretung eine Umfrage, um ein Stimmungsbild der Schüler einzufangen.

Die Schüler lernen in der Grundschule Heidgraben auch, Verantwortung zu übernehmen. Sie sind für die Pausenspielgeräte und für die acht Experimentierstationen zuständig. Um letztere kümmert sich die dritte Klasse und füllt sie auf oder repariert Kaputtes. Zudem sind jeweils acht Drittklässler als Streitschlichter tätig. Und die Schüler haben ein Patenkind, Dennis aus Kenia. Für dieses sammeln die Kinder bei Schulveranstaltungen Spenden. Sie stehen in Briefkontakt.    kmv


30 Nationen unter einem Schuldach

ELMSHORN Die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule aus Elmshorn hat den ersten Platz unter den Schulen mit Sekundarstufe gewonnen. In der Schule werden Schüler aus 30 Nationen gemeinsam unterrichtet. Diese kulturelle und sprachliche Vielfalt nutzt die Schule, um Flüchtlingskindern, die neu an die Schule kommen, den Einstieg ins Schulleben zu erleichtern. Die Schüler, die an der Anne-Frank-Gemein-schaftsschule Deutsch als Zweitsprache lernen, bekommen einen Paten, der ihre Muttersprache spricht. Zudem werden sie einer Stammklassc zugewiesen, einer normalen Schulklasse, deren Schüler altersmäßig den neuen Schülern entsprechen. Auch die Schüler mit erhöhtem Förderbedarf besuchen reguläre Klassen. Zudem haben sie an der Schule ihre eigenen Aufgaben, anhand derer sie erfahren sollen, wie wichtig auch ihr Anteil an der Schulgemeinschaft ist. So sind sie bei Schulveranstaltungen etwa für die Verpflegung der Besucher zuständig.    kmv


Schüler gestalten Mottowochen und Schulfeste

BÖNNINGSTEDT Die Bönningstedter Gemeinschaftsschule Rugenbergen ist unter den Schulen mit Sekundarstufe mit einem zweiten Preis ausgezeichnet worden. Durch die Schülervertretung haben alle Kinder und Jugendlichen der Schule die Möglichkeit, ihr Schulleben mitzugestalten. Insbesondere für die Organisation von Veranstaltungen sind die Schülervertreter verantwortlich. Einmal jährlich gibt es eine Schülerdisco in der Turnhalle mit einem professionellen Discjockey. Außerdem organisieren die Schülervertreter eine Motto-Woche, bei der sich die Klassen verkleiden sollen, die Klassen mit den meisten Verkleidungen innerhalb einer Woche gewinnt einen Klassenpreis wie etwa Eisgutscheine. Ausflüge in den Landtag, in politische Sitzungen und zu Gerichtsprozessen, die von den Lehrern betreut werden, unterstützen die Schüler in ihrer Meinungsbildung und helfen ihnen dabei, die politischen Strukturen in Deutschland zu verstehen.    kmv


Im Unterricht mitentscheiden, wie gelernt wird

KLEIN NORDENDE Die Grundschule Klein Nordende-Lieth ist mit dem zweiten Preis für Grundschulen ausgezeichnet worden. Sie bezieht die Schüler in viele Aktivitäten des Schullebens mit ein. Im Unterricht dürfen sie zusammen mit den Lehrern auswählen, welche Gruppenarbeiten oder Lernspiele gemacht werden sollen. Auf Schulfesten treten sie auf oder präsentieren ihre Kunstwerke und die Viert-klässler sorgen für die Bewirtung. Bei der Planung von Arbeitsgemeinschaften werden die Schüler vorher nach ihren Wünschen gefragt.

Die Schule erwartet von den Schülern zudem, dass sie sich umeinander kümmern. So übernehmen Drittklässler die Patenschaften für die neuen Erstklässler und die Viertklässler gestalten im Herbst für die ersten bis dritten Klassen einen Gottesdienst. Einige der Schuldienste liegen in der Eigenverantwortung der Schüler. Dazu gehört für die Erst- und Zweitklässler etwa die Versorgung der schuleigenen Vögel mit Grünfutter. kmv


Erste Hilfe und Hühnerpflege auf der Tagesordnung

PINNEBERG Die Grund- und Gemeinschaftsschule im Pinnberger Quellental ist ebenfalls mit dem zweiten Preis ausgezeichnet worden. Die Schüler haben in der offenen Ganztagsschule zahlreiche Möglichkeiten, das Schulleben mitzugestalten. So können sie sich etwa im Klassenrat oder im Schülerparlament engagieren. Auch für jeden einzelnen Schüler gibt es innerhalb eines fest-gelegten Rahmens die Möglichkeit, seinen eigenen Schulalltag zu gestalten. Denn die Schule bietet ihren Schülern eine flexible Ausgangsphase an.

Ab der achten Klasse können sich Schüler der Grund-und Gemeinschaftsschule auch als AG-Leiter ausbilden lassen, um dann selbstständig Arbeitsgemeinschaften für ihre Mitschüler anzubieten. Einmal im Jahr lernen die Kinder der ersten bis vierten Klasse Erstc-Hilfc-Maß-nahmen kennen. Außerdem besteht die Möglichkeit, Schulsanitäter zu werden. Und die Schüler sind für die Hühner verantwortlich, die im Schulgarten leben. kmv